Plattencover Schindler, Volquartz, Geisse Titel "artoxin"

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Sharp-Schindler-Blonk Files

Schindler-Volquartz-Geisse - Unit Rec. UTR 4806

ArToxin

Udo Schindler & Ove Volquartz – bass and contrabass clarinet

Gunnar Geisse – laptop guitar and virtual instruments

Reviews

„Answers and maybe a Question?“ (-> BA 94) entstand am day after arToxin (Unit Records, UTR 4806). Denn dem Klang+Kunst-Duett mit dem Göttinger Bass- & Kontrabassklarinettisten OVE VOLQUARTZ ging ein Konzert in der Münchner Galerie arToxin voraus, mit dem Laptop-& MIDI-Gitarristen GUNNAR GEISSE, mit dem UDO SCHINDLER schon „Quiet Notes and the Fascination of what’s complex“ und „Life is complex“ realisiert hat. Beide sind daher schon bad-alchemysiert, Volquartz als alter Hase mit jungen Jahren bei Annexus Quam und Gunter Hampel und heute als Zungenredner mit dem Kirchenorgler Peer Schlechta, Geisse als musica-nova-versierter Routinier, als ICI Ensemble- Crack, als Elektronikwizard für Michael Lentz oder Nicolaus Richter de Vroe und als Klangführer durchs Museum of Modern Art. Der Kontrast zwischen den knarrenden Tieftönern und seinem irrlich-ternden Glimmern, Flackern und Spotzen reizte die Musiker schon selber zu den schönen Wortfusionen ‚Vitalglocke‘, ‚Neutraltorso‘, ‚Aromakur‘. Dabei können sie auch die Rollen wechseln, die Gitarre grummelt, die Klarinetten schrillen altissimo. Die ‚Delegator-Rizeros-Initiative‘ bringt mich mit dem scheinbaren Russolo-Spirit intonarumorischer ‚Verhöhner‘, ‚Brüller‘ und ‚Annoyer‘ auf eine falsche Spur. Sie bleiben nämlich ihrer anfänglichen zarten und auch mal bis zur Beinahetonlosigkeit heruntergedämpften Klangpoesie treu. Tatsächlich stöbern sie mit ‚Smogmog‘ in Abfällen und knabbern mit ‚Heiteira‘ aufs heiterste an einem rosig pokémoni-fizierten Überraschungsei, wuselig, launig, überkandidelt, die Gitarre dabei eine kapriolende Rappelkiste und trillernde Zwitschermaschine. In ‚Rizeros‘ steckt zwar auch ein kleines, graues Rhinozeros, aber weiterhin ein pokémon-verspieltes, das allerdings kläglich und kleinlaut Trübsal bläst. Es braucht eine Kur und bekommt sie mit orchestralen Frischzellen und vitalisierenden Klangschüben aus Geisses Klang-speichern, mit kuriosen Chorfetzen sogar. Und zuletzt mit flipprigen Kürzeln im wilden Kontrast von knorzig zu schrill, der aber auch Dröhnfäden zieht. Geisse mischt sich mit Phantomposaune dazu. Ernst und Trübsinn bekommen da gehörig Kontra. Und ein Kontra gegen Spielsucht, Konsumzwang und Konkurrenzkampf à la Pokémon ist da kostenlos gleich mit drin.

Bad Alchemy, Rigobert Dittmann [BA 95 rbd]

jazz’n more Heft 1.18

Udo Schindler’s Salon for Sound and Art  in Krailling, Germany is the setting for this superb live duo concert, capturing Schindler and Ove Volquartz both on bass and double bass clarinet, showing the breadth of sonic possibilites and diverse approaches from the deepest of clarinets performed by two masterful musicians.

Squidco NY

Udo Schindler-Ove Volquartz-Gunnar Geisse arToxin_Unit records Utr 4806

Deux souffleurs avec clarinette basse et contrebasse, Udo Schindler et Ove Volquartz en trio avec le guitariste /laptopiste Gunnar Geisse aussi crédité virtual instruments. Une musique atmosphérique où les vents graves se complètent et s’interpénètrent lentement mais sûrement. Les deux clarinettistes font plier et grincer subtilement les hauteurs des notes, trembler les colonnes d’air, créant d’abord une musique statique, aérienne, sombre et légère  à la fois. Les interventions vif argent multi-soniques du guitariste électronique Gunnar Geisse ont de nombreuses caractéristiques et qualités semblables (mais avec des moyens différents) à celles des ingénieux Richard Scott, Paul Obermayer, Thomas Lehn ou Ulli Böttcher. Et une fois établie la connivence micro-tonale des deux clarinettistes, ceux-ci creusent leur imagination pour concevoir instantanément des contrepoints et des vocalisations de la colonne d’air de leurs tubes monstrueux en empathie avec les sonorités volatiles et insituables de Geisse. Ils savent instiller une douceur ferme, une légèreté majestueuse, en proposant des sons, des timbres, des glissandi, des étirements de notes plutôt que de  débiter des phrases prédigérées et des canevas mélodiques usuels. En cela ils font véritablement œuvre d’improvisateurs dans le temps et surtout dans l’espace  Jouant les mêmes instruments, Ils font plus que se répondre : les idées de l’un trouvent instantanément une contrepartie organique chez l’autre. L’utilisation raffinée des harmoniques obtenues en augmentant l’intensité du souffle démontre la grande précision de leur jeu. Le contrôle du son des clarinettes basses est homogène sur toute la tessiture sur chaque instrument. Il est d’ailleurs difficile de les identifier individuellement mais leur interaction, elle, est unique en son genre ! Le guitariste ( ?) surprend par la diversité de ses sonorités et de la dimension polyphonique qu’il crée et renouvelle. Il a pris grand soin de saisir les paramètres particuliers des deux (étranges) souffleurs au fil du développement du concert pour insérer et multiplier ses actions sonores particulièrement intriguantes. Une relative angularité des interventions du trio  se pointe çà et là avec un bel à-propos, créant des chassé-croisé ludiques qui surprennent subitement l’auditeur, surtout avec de tels instruments, « lourds » et graves. arToxin, enregistré dans la galerie du même nom est une suite où se développe une recherche sonore de grande envergure où plusieurs dimensions, dynamiques, flottements à la limite de l’égarement, coexistent, s’éclipsent ou réapparaissent, se nourrissent mutuellement et s’inventent un univers peu commun.

 

Zwei Blaser mit Bassklarinette und Kontrabass, Udo Schindler und Ove Volquartz im Trio mit dem Gitarristen / Laptop Gunnar Geisse schrieben ebenfalls virtuelle Instrumente zu. Atmosphärische Musik, in der sich starke Winde langsam aber sicher ergänzen und durchdringen. Die beiden Klarinettisten falten und knirschen subtil die Höhen der Noten, schütteln die Luftsäulen, erzeugen zunächst eine statische Musik, luftig, dunkel und leicht zugleich. Gunnar Geisses brillante Multi-Klang-Silber-Interventionen haben viele ähnliche Eigenschaften und Qualitäten (aber mit anderen Mitteln) als die des genialen Richard Scott, Paul Obermayer, Thomas Lehn oder Ulli Böttcher. Und sobald die mikro-tonale Kollusion der beiden Klarinettisten sich etabliert hat, beginnen die beiden ihre Phantasie, Kontrapunkte und Lautäußerungen der Luftsäule ihrer monströsen Röhren in Empathie mit den flüchtigen und unangreifbaren Klängen von Geisse zu begreifen. Sie wissen, wie man eine feste Süße, eine majestätische Leichtigkeit, durch das Vorschlagen von Klängen, Klangfarben, Glissandi, Dehnen von Noten eher als von vorverdauten Sätzen und üblichen melodischen Mustern einbringt. Darin sind sie wirklich Improvisatoren in der Zeit und vor allem im Raum. Sie spielen die gleichen Instrumente, sie tun mehr als nur einander zu antworten: die Ideen von einem finden sofort ein organisches Gegenstück in dem anderen. Die raffinierte Verwendung der Obertöne, die durch die Erhöhung der Intensität des Atems erhalten werden, stellt die große Präzision ihres Spiels dar. Die Klangkontrolle der Bassklarinetten ist über die gesamte Bandbreite auf jedem Instrument homogen. Es ist schwierig, sie einzeln zu identifizieren, aber ihre Interaktion ist einzigartig! Der Gitarrist (?) Überrascht mit der Vielfalt seiner Klangfülle und der polyphonen Dimension, die er kreiert und erneuert. Er achtete sehr darauf, die besonderen Parameter der beiden (seltsamen) Gebläse während der Entwicklung des Konzertes zu erfassen, um seine besonders faszinierenden Klanghandlungen einzufügen und zu multiplizieren. Eine relative Winkligkeit der Interventionen des Trios weist hier und da mit einer guten Passung auf spielerische Übergänge hin, die den Hörer, vor allem bei solchen Instrumenten, plötzlich „schwer“ und ernsthaft überraschen. arToxin, aufgenommen in der gleichnamigen Galerie, ist eine Suite, in der sich eine groß angelegte Klangforschung entwickelt, in der mehrere Dimensionen, dynamisch, schwebend an der Grenze des Fehlers, koexistieren, verschwinden oder wieder auftauchen, einander füttern und s ‚ erfinde ein ungewöhnliches Universum.

http://orynx-improvandsounds.blogspot.com

The more I listen to his music, the more convinced I become that Udo Schindler is one of the un(der)sung master reedsmen both in the strange streams of sound he coaxes out of his horns and the concerted way he avoids the conventional grammar. It is as if he is building a new vernacular for his instrument in real time.

Schindler’s unique style comes through particularly well in duos and, it seems, in live performances. He took the pandemic to dig through his back catalog of recordings. Many of these reached public ears through download only releases on his Bandcamp page and, notably, many were duos. Indeed, Schindler seems to have really gravitated to the duo, likely somewhat because of practicality but also because of the possibilities of that configuration. It offers big spaces for each musician to be heard — full blast or sotto voce — and gives each a counterpart — sometimes a companion and others a sparring partner — with whom to bounce around ideas and to whom to respond. Depending on the instrumentation and the players, it also frees the musicians from rhythm’s centripetal force and gives them license to explore other, in this case amelodic and atonal, places. …

Je öfter ich seine Musik höre, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass Udo Schindler einer der un(der)besungenen Meisterbläser ist, sowohl in den seltsamen Klangströmen, die er seinen Hörnern entlockt, als auch in der konzertierten Art und Weise, wie er die konventionelle Grammatik vermeidet. Es ist, als ob er in Echtzeit eine neue Umgangssprache für sein Instrument entwickeln würde. 

Schindlers einzigartiger Stil kommt besonders gut in Duos und, wie es scheint, bei Live-Auftritten zur Geltung. Er nutzte die Pandemie, um sich durch seinen alten Katalog von Aufnahmen zu wühlen. Viele davon wurden der Öffentlichkeit nur als Download auf seiner Bandcamp-Seite zugänglich gemacht, und vor allem waren viele davon Duos. Schindler scheint sich tatsächlich zum Duo hingezogen zu fühlen, wahrscheinlich aus praktischen Gründen, aber auch wegen der Möglichkeiten dieser Konstellation. Es bietet jedem Musiker einen großen Raum, um gehört zu werden – mit voller Wucht oder sotto voce – und gibt jedem ein Gegenüber – manchmal einen Begleiter und manchmal einen Sparringspartner -, mit dem er Ideen austauschen und auf den er reagieren kann. Je nach Besetzung und Spielern befreit es die Musiker auch von der zentripetalen Kraft des Rhythmus und gibt ihnen die Freiheit, andere – in diesem Fall amelodische und atonale – Orte zu erkunden.

 pastedGraphic.png NYC / review by Nick Ostrum / 2023-04-04