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Udo Schindler & Katharina Weber

spielzeit  atemzeit  horizontzeit

unit records utr 4484

 

Spannende Klangreise

Ursprünglich kommt die Schweizer Pianistin Katharina Weber von der klassischen Musik her. Aber schon im Studium in Basel sowie ihrer Heimatstadt Bern kam sie intensiv mit Neuer Musik in Berührung. Mit der freien Ad-hoc-Improvisation bewegte sie sich dann noch weiter in die Gegenwart, um auf diesem Weg wiederum zum notierten Komponieren zu finden. Ihr Spektrum spannt sich also von den strengen Konstruktionen Bachs bis hin zu alle Konventionen verwerfenden Improvisationen, die spontan der momentanen Befindlichkeit entspringen und sich alle Möglichkeiten der Instrumentenverwendung offen halten.

Im Kraillinger Salon für KLANG & KUNST beim Blasinstrumente bedienenden Udo Schindler war sie nun nicht zum ersten Mal zu Gast. Und das Publikum hatte sie offenbar noch in guter Erinnerung, füllte sich der Salon doch beachtlich. Obgleich Weber beim Improvisieren schon beeindruckend weit in den Kosmos grenzenloser Klangwelten einzutauchen vermag, profitiert die entstehende Musik doch auch ein Stück von ihrer Vorstellungskraft der Entwicklungen, der Spannungsbögen oder narrativen Verläufen aus der klassischen Musik. Und es war gewiss kein Zufall, dass Schindler so beredsame Instrumente wie Sopransaxophon, Kontrabass- und Bassklarinette sowie Kornett (mit Dämpfern) gewählt hatte. Mit unkonventionellen Spieltechniken sind diese Instrumente in der Lage, vor allem über die Obertöne ein weitläufiges Klang- und Geräuschspektrum zu entfalten, aber andererseits beim konventionellen anspielen auch eine sehr ausdrucksstarke Substanz zu entwickeln, die den bisweilen überaus fülligen Ausbrüchen im klassischen Klavieranschlag plastische Körperlichkeit beisteuern konnten. Dann sorgte auch spannungsgeladenes, ja aggressives Drängen für stark emotionale Passagen. Beide Musiker verstanden es wiederum in den leisen Bereichen Klangnuancen aufzudecken, die schon weit ins Sphärische hineinreichten. Umwickelte Basssaiten im Flügel mit den Fingern oder Fingernägeln in Längsrichtung gerieben geraten ins singende Schwingen, was hier eine überaus atmosphärische Wirkung entfaltete.

Sowohl Weber als auch Schindler arbeiten immer wieder auch mit rhythmischen Strukturen, die sich bisweilen zu einem Groove konkretisieren können. Mit Schlagwerkschlägeln angeschlagene Metallrahmenteile oder Saiten im Flügel beim gedrückten rechten Pedal verbinden perkussive Strenge mit raumfüllenden Halleffekten. Mit scharfen Zungenschnalzern, Lippenknutschern oder konzentrierten Luftstößen antwortete auch Schindler perkussiv – und dies eingebunden in Luftreiche Klangfolien. Es wurde eine überaus intensive Klangreise, von einem ausgeprägten Spannungsbogen getragen und in eine ausdrucksstarke Form gegossen.

Süddeutsche Zeitung / Reinhard Palmer

 

 

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SCHINDLERS SALON

Seit 2009 lädt UDO SCHINDLER in die Bergstraße 28c in Krailing, in seinen Salon für Klang & Kunst. Sebastiano Tramontana hat sich da schon eingefunden, Frank Gratkow­ski und Hubert Bergmann. Der hat dabei ebenso das Pleyel-Piano bespielt (#13) wie Hans Poppel (#21) und Claudia Ulla Binder (#40). Dieses Piano ist also eine feste Größe bei den Salon-Begegnungen, von denen nun #28 (27.07.12) als Spielzeit Atemzeit Hori­zontzeit (Unit Records, UTR 4484) mit KATHARINA WEBER nachhörbar ist. Da der Ber­ner Dichter Franz Dodel Schindlers geteilten Atem mit der Berner Pianistin schon un­übertrefflich bedichtet hat, fällt es nicht leicht, deren bereits auch durch drei Intakt-Ver­öffentlichungen gewürdigtes Spiel in ein noch deutlicheres Licht zu rücken. Webers Pia­nistik unterscheidet sich von der von Irene Schweizer wie György Kurtágs Musik von den Ivory & Ebony-Grooves auf den Zugvogelrouten. Ihr bedächtiges Spiel hat klassisches Kammerformat und eine von jazzigen Phrasierungen zwar keineswegs unbeleckte, aber doch relativ unabhängige Poetik. Die sich dennoch gern Schindlers Flirtversuche als ‚Schwarzdornderwisch‘ auf der Bassklarinette oder als knöriger Bajazzo mit dem Kor­nett gefallen lässt. Da hilft sie seiner Verstopfung mit sprudelndem Geperle auf den Topf. Schindler gibt sich mit Kontrabassklarinette noch wurzelseppiger, die Schläge, mit denen ihn Weber auf Trab bringt, sind mehr als bloß Denkanstöße. Sie stößt ihn auf of­fene Horizonte zu, er macht quengelig mit, stöbert aber, sopranistisch verschlankt, bald auch schon vorneweg ins ’sperrgebiet aus windkeilen und pilzringen‘, sie bleibt ihm accelerierend auf den Fersen. Er raspelt Spaltklänge, brodelt Spucke, sie spintisiert im Klavierinnern, pocht aufs Bassregister, plonkt an Holz und Draht. Er ploppt und gurrt, sie klopft mit einem Stöckchen, harft und pingpongt im Innenklavier. Plötzlich klimpert sie im höchsten Tempo drauflos um sich auch schnell wieder zu beruhigen, während Schindler weiterhin an der Wurzel nagt. Um danach auf der Kontrabassklarinette zu flippern, von Webers Gnomengetrappel umwuselt. Zuletzt kosten die beiden noch den Kontrast zwischen pianistischer Mondscheintristesse und närrisch verquerem Kornett­getröte aus. So köstlich lässt sich Zeit nutzen.

[BA 79 rbd] Rigobert Dittmann

 

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SCHINDLER / WEBER

spielzeit atemzeit horizontzeit

Udo Schindler (cl, bcl, cbcl, ss, cornet), Katharina Weber (p)

 

SCHINDLER / HARNIK

empty pigeonhole

creative sources / creativesourcesrec.com

Udo Schindler (cl, bcl, cbcl, ss, cornet), Elisabeth Harnik (p)

 

Etwa einmal im Monat lädt der Architekt und Blasmusiker Udo Schindler sich ausgewählte Gäste in sein Haus in Krailling nahe München, namentlich in den Salon für Klang + Kunst (siehe freiStil #33). So finden sich auf Schindlers Liste Koryphäen wie etwa Katharina Klement, Frank Gratkowski, Manon-Liu Winter, Harald Lillmeyer oder Cordula Bösze. Die Spielregel besagt, dass Schindler immer selbst mit seinen Gästen musiziert. Zwei davon, beides Pianistinnen, haben ihn dazu angeregt, die Livesituation auf CD zu dokumentieren. Weitere sollen folgen. Auf Unit Records erschien soeben sein Duo mit Katharina Weber. Hoch hängt der Standard dieses modernen Jazz, der oft unvermutet Fenster öffnet, die den Blick auf freies Gelände gewähren. Katharina Webers Musik, verkündet das Intakt-Label, „bewegt sich in der großen Welt der heutigen Musik, in der Grenzen nicht mehr exisitieren und Neue Musik und Jazzimprovisation verschmelzen.“ Nicht von ungefähr outete sich Fred Frith als Weber-Fan.

Noch wesentlich weiter von herkömmlichen Klavier-Klarinette-Duospielweisen entfernt sich Schindler mit bzw. dank Elisabeth Harnik auf empty pigeonhole (gemeint ist wohl pigeonhole = Schublade; Anm.) des Lissaboner creative sources-Labels. Bis weit hinein ins Material, in den Klangkörper, ins Innerste der Musik und an die Quellen ihrer Herstellung reicht diese fulminante Interaktion. Harnik frappiert am und im Klavier durch hörbare Lust am Risiko, extreme Wendigkeit und durch die Wechselwirkung des kräftigen und des flüchtigen Anschlags; Schindler folgt ihren Spuren und Hakenschlägen mühelos und evoziert seinerseits inspirierende Temperamente. Kurz, wir erleben hier nichts weniger als eine Sternstunde der Duokunst, die den Weg von Bayern über die Schweiz und Portugal bis hinein in die offenen Ohren diesseits und jenseits des Weißwurstäquators zurücklegt. (felix)

 

Freistil #52 /Austria     Andreas Fellinger

 

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UDO SCHINDLER & KATHARINA WEBER / Spielzeit Atemzeit Horizontzeit (Unit Records)

Un bon duo anches et piano, avec Udo Schindler alternant entre saxo soprano et carinette basse/contrebasse et Katharina Weber au piano. Sens du dramatique (“an- und ausreisstöne sprechversuche”), moments de gaieté, et Schindler varie les approches, poussant parfois de retentissants couacs contrôlés.

A good reeds& piano duo, with Udo Schindler switching back and forth between soprano sax and bass/contrabass clarinet, and Katharina Weber at the piano. A firm sense of drama (“an- und ausreisstöne sprechversuche”), playful moments, and Schindler varies his approaches, producing resounding controlled honks at times.

 

Journal d’écoute / Listening Diary       2014-02-28

 

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Udo Schindler / Katharina Weber

Spielzeit AtemzeitHorizontzeit

 

 

Wenn man formelhaft beginnen würde und das Produkt aus Spielzeit + Atemzeit = Horizont sich als Ergebnis sowohl bei den MusikerInnen und HörerInnen einstellt, könnte man ganz frei + mathematisch auch die Spielzeit durch die Hörzeit ersetzen und zum selben – oder ähnlichen Resultat gelangen. Ein Gewinn ist diese dokumentierte Live-Konzertbegegnung aus dem bayerischen Krailling bei München für alle Seiten der Gleichung. Dem Duo zweier musikalisch denkender und sprechender Improvisatoren, der Schweizer Pianistin Katharina Weber und dem deutschen Holz- (Sopransaxofon, Bass- & Kontrabass-klarinette) und Blechbläser (Kornett) Udo Schindler gelangen im Fluss dieser knappen Stunde auch einige (parallele) Alleingänge, ohne die gemeinsame Spannung zu verlieren. Tempo und Rhythmus ohne Schlagwerk frei zu bestimmen, kann durchaus als eigene „lyrische“ Qualität ihrer Improvisationen bezeichnen, die sich in einigen Passagen den Formen und Klängen der (komponierten) Neuen Musik sehr nahe zeigt. Die breite Palette an hellen und dunklen Farben der geblasenen Töne im Bild des „Orchesters“ mit Klavier kontrastreich hörbar zu machen, zählt zu den äußerst inspirierenden Erlebnissen dieser Aufnahme, mögen sich die beiden wieder (audio-dokumentiert) begegnen.

 

Concerto-Magazin 1/2014 (Österreich)

 

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UDO SCHINDLER / KATHARINA WEBER

Spieltzeit / Atemzeit / Horizontzeit

Udo Schindler (ss, cornet, bcl, kbcl), Katharina Weber (p)

 

Udo Schíndler ist nicht nur ein angesehener Architekt, er ist auch ein erfolgreicher (Blas-) Musiker. Seit 2009 lädt er in die Bergstrasse 28c in Krailling in seinen Salon für Klang & Kunst. Dort steht auch ein Pleyel-Flügel (der Lieblings-Flügel von Frederic Chopins) – diesmal für die Berner Pianistin Katharina Weber. Damit treffen zwei überschäumend kreative Menschen mit höchster musikalischer Erfindungskraft aufeinander. Zwei, für die Klang auch Geräusch und Geräusch auch Klang sein kann. Musiker, die Melodie und Dissonanz locker in einem Stück vereinigen können. Da muss das Klavier ordentlich Stockschläge einstecken, während Udo Schindler die Instrumentenklappen laut einschnappen lässt. Doch da gibt es noch das Kornett, das ihm viele kuriose klangmalerische Möglichkeiten an die Hand gibt. Bedächtiges Spiel der Tasten löst sich in gemeinsamen Stimmungen voller leidenschaftlicher Intensität auf.  Wer ein wenig Zeit mitbringt, um sich einzuhören, und wer stets auf der Suche nach dem Klang neuer Ausdrucksweisen ist, dem sei die Veröffentlichung ans Herz gelegt. Fxaz

Bewertung 4 Sterne

 

Jazz’n More / Schweiz, Ausgabe 4/2014, Seite 71

 

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Udo Schindler & Katharina Weber

Spielzeit AtemzeitHorizontzeit, Unit Records UTR 4484

 

Elisabeth Harnik & Udo Schindler

Empty Pigeonhole, Creative Sources 247 CD

 

Dedicated to promoting improvised music in and around his hometown of Krailling near Munich, multi-instrumentalist Udo Schindler presents monthly home concerts throughout the year. Recorded three months apart in the same location, with the exact same instrumentation, Empty Pigeonhole and Spielzeit Atemzeit Horizontzeit are eloquent testimonies to the unprecedented plasticity of experimental sounds. Spielzeit Atemzeit Horizontzeit, which translates as “Game time breathing time horizon time” was recorded with Swiss pianist Katharina Weber and consists of nine short, but inter-related improvisations. The other CD, with Austrian pianist Elisabeth Harnik, is in two sequences of about 25 minutes each. Schindler, whose day job is as an architect, plays cornet, soprano saxophone, bass and contrabass clarinets on both dates.

Although she has played Free Music with the likes of guitarists Fred Frith and bassist Barry Guy, Bern-native Weber spends much of her time working with notated composers and chamber ensembles. Because of this her technically perfect ripostes don’t seem as warm or communicative as Harnik’s. More compelling, the clearer contributions from Gams-based Harnik lock tongue-in-groove with Schindler’s contributions. While Schindler’s unexpected smears of sound plus brittle striations quickly dispense with any clichés about architectural organization in his playing, the Austrian pianist’s varied experience may account for the creation of a more comfortable sonic zone. Harnik has duetted with saxophonists such as Dave Rempis and Gianni Mimmo, as well as playing in a regularly constituted combo with violinist Allison Blunt, vocalist Annette Giesriegl and drummer Josef Klammer.

During the course of Empty Pigeonhole’s improvisations any vocalized or percussive inferences created come from Schindler’s horn collection or Harnik’s underground mining of her instrument’s lowest reaches near the backboard and capotes. As well her harpsichord-like strums plus vibrations on the internal string set provide an equivalent amount of fiddle-like strokes for the program. Essentially the initial narrative features the pianist using key jujutsu to construct a concentrated carpet of shaded and bouncing notes or methodically stopping the keys in response to, or presaging, Schindler’s multi-horn strategy. During the course of “Empty Pigeonhole Part I” bites, yelps and tongue slaps emanate from the higher-pitched reeds, while Schindler use whiny brass farts or stentorian contrabass clarinet smears less frequently to asset his individuality. Creative resolution of segmented parts arises midway through the second track following detached sequences which are more solo with accompaniment than duets. Metaphorically rescuing timbres from desert island isolation, Schindler’s soprano saxophone slurs and Harnik’s rolling tremolo bond in an all-consuming cry of victory. Numbered and named individually, but actually flowing into one another, the Weber duets appear more coldly calibrated on the pianist’s part. Sounding at first as if she’s sight reading her part, even to the extent of suggesting Middle European romanticism on “Geflüster Der Wurzelstöcke”, Weber only begins to loosen up enough to pluck basement-dwelling notes after Schindler begins shattering her keyboard composure with brays and squeaks. Tongue slapping and a vertical keyboard exposition reach a climax of aggressive vamps and extensions on “Der Schwarzdornderwisch Test Die Flügel”. Alternating between harp-like dancing string shuffles and powerful percussive echoes that set the soundboard ringing, Weber’s least constrained playing creates an equivalent unfettered response from Schindler, who by the stirring conclusion is stretching out the partials from all his tones. Miraculously at the same time, these extended snorts and shrills slide out the proper harmonies to bond with Weber. From that point on the sometime racing banshee-like wails from woodwind or brass mouthpieces are smoothed into connective chording the pianist.

While the end result of both these piano-horn duets is almost equally acceptable, the strategies expressed by Harnik-Schindler make that journey all that more bracing.

Ken Waxman – Jazzword, July 27, 2014

Track Listing: Empty: 1. Empty Pigeonhole Part I 2. Empty Pigeonhole Part II

Personnel: Empty: Udo Schindler (cornet, soprano saxophone, bass and contrabass clarinets) and Elisabeth Harnik (piano)

 

Track Listing: Spielzeit: 1. Und Ausreisstöne Sprechversuche 2. Der Schleier Der Seitentöne 3.

Wetterlagen Am Fistelgebirge 4 Geflüster Der Wurzelstöcke 5. Hoch Geschoben Ein Stirnhöhlenpochen 6. Sperrgebiet Aus Windkeilen Und Pilzringen 7. Der Schwarzdornderwisch Test Die Flügel 8. Am Rüttelkarst Lärmstimmig 9. Über Zitternden Langschatten

Personnel: Spielzeit: Udo Schindler (cornet, soprano saxophone, bass and contrabass clarinets) and Katharina Weber (piano)

 

 

Udo Schindler & Katharina Weber

Spielzeit AtemzeitHorizontzeit, Unit Records UTR 4484

 

Elisabeth Harnik & Udo Schindler

Empty Pigeonhole, Creative Sources 247 CD

 

Zur Förderung improvisierter Musik in seinem Wohnort Krailling bei München veranstaltet der Multiinstrumentalist Udo Schindler das ganze Jahr über monatliche Hauskonzerte. Empty Pigeonhole und Spielzeit Atemzeit Horizontzeit wurden in einem Abstand von drei Monaten mit exakt der gleichen Instrumentierung aufgenommen. Beide Alben sind ein beredtes Zeugnis für die unglaubliche Elastizität dieser Musikform. Spielzeit Atemzeit Horizontzeit dokumentiert das Zusammenspiel mit der Schweizer Pianistin Katharina Weber und besteht aus neun kurzen, miteinander verbundenen Improvisationen. Die andere CD mit der österreichischen Pianistin Elisabeth Harnik setzt sich aus zwei Sequenzen von jeweils rund 25 Minuten Länge zusammen. Schindler, der als Architekt sein Geld verdient, spielt auf beiden Aufnahmen Kornett, Sopransaxophon, Bass- und Kontrabassklarinette.

            Die Bernerin Katharina Weber hat zwar Erfahrung im Zusammenspiel mit Musikern wie dem Gitarristen Fred Frith und dem Bassisten Barry Guy, doch sie arbeitet meistens mit Komponisten Neuer Musik und Kammerensembles. Wohl aus diesem Grund wirken ihre technisch perfekten Repliken nicht so warm und kommunikativ wie die Harniks. Die Beiträge der im steirischen Gams wohnenden Pianistin fließen leichter und zwingender mit denen Schindlers zusammen. Während Schindler in seinem Spiel mit unverhofften Klangschlieren und brüchigen Tupfern rasch auf alle Klischees architektonischer Organisation verzichtet, baut die Österreicherin eine etwas komfortablere Klangzone auf, was vielleicht auf ihre sehr verschiedenartigen Erfahrungen zurückzuführen ist. Sie hat im Duo mit Saxophonisten wie Dave Rempis und Gianni Mimmo gespielt und ist Teil einer festen Gruppe mit der Geigerin Alison Blunt, der Vokalistin Annette Giesriegl und dem Schlagzeuger Josef Klammer.

            Alle vokalisierten oder perkussiven Passagen, die in Empty Pigeonhole zu hören sind, gehen zurück auf Schindlers Hornkollektion oder auf Harniks Expeditionen im Bauch ihres Instruments. Nicht weniger bedeutend für den Ablauf sind cembalo- und geigenartige Klänge, die durch Vibration der Innensaiten entstehen. Zu Beginn des Programms nutzt die Pianistin Tasten-Jiujitsu, um einen dichten Teppich aus abgestuften und hüpfenden Tönen zu erzeugen, oder sie unterbricht ihr Spiel auf methodische Weise, um Schindlers Einwürfe zu beantworten oder vorwegzunehmen. Im Verlauf von „Empty Pigeonhole Part I“ kommen aus den höheren Holzblasinstrumenten Schnarr-, Keif- und Schnapplaute. Seltener greift Schindler auf jaulende Blechfürze und robustes Röhren der Kontrabassklarinette zurück. Nach unverbundenen Sequenzen, die mehr Solo mit Begleitung sind als Duo, findet Getrenntes ab der Hälfte des zweiten Tracks auf kreative Weise zusammen. In einer metaphorischen Rettungsaktion für verirrte Klangfarben verbinden sich Schindlers Sopransaxophongeheul und Harniks donnerndes Tremolo zu einem alles verschlingenden Siegesschrei.

            Die individuell nummerierten und benannten, aber ineinanderfließenden Duos mit Weber scheinen zumindest vonseiten der Pianistin kälter kalibriert. Zunächst klingt sie, als würde sie vom Blatt spielen, und deutet auf „Geflüster der Wurzelstöcke“ sogar romantische Töne an. Erst als Schindler sie mit Kreischen und Quieken aus der Tastenreserve lockt, fängt sie an, tiefe Kellertöne zu produzieren. Auf „Der Schwarzdornderwisch testet die Flügel“ münden Zungenflattern und vertikaler Keyboardansatz in einen Höhepunkt aggressiver Vamps und Ausläufer. Als Weber abwechselnd mit harfenähnlichen Saitentänzen und mit kräftigen Schlägen, die den Resonanzboden zum Klirren bringen, endgültig ihre Zurückhaltung ablegt, reagiert Schindler ebenso entfesselt und zieht seine Teiltöne immer stärker in die Länge. Wie durch ein Wunder schälen sich aus diesen gedehnten Schnaub- und Kreischlauten genau die richtigen Harmonien heraus, die den Kontakt zu Weber herstellen. Ab diesem Punkt wird das bisweilen rasende Geheul der Blasinstrumente mit verbindenden Akkorden der Pianistin beschwichtigt.

            Letzten Endes bewegen sich diese beiden Bläser/Klavier-Duos fast auf gleichem Niveau, doch die Strategien von Schindler-Harnik wirken vielleicht um einen Tick erfrischender.

 

Ken Waxman – Jazzword, 27. July 2014

 

 

ARTIST: UDO SCHINDLER, KATHERINA WEBER

TITLE: SPIELZEIT, ATEMZEIT, HORIZONZEIT

LABEL: UNIT RECORDS 4484

TUNES: AN-UND AUSREISSTONE SPRECHVERSUCHE/ DER SCHLEIER SEITENTONE/ WETTERLAGEN AM FISTELGEBIRGE/ GEFLUSTER DER WURZSELSSTOCKE/ HOCH GESCHOBEN EIN STIRNHOHLENPOCHEN/ SPERRGEBIET AUS WINKKEILEN UND PILZRINGEN/ DER SCHARDORNERWISCH TESTET DIE FLUGEL/ AM RUTTELKARST LARMSTIMMING/ UBER ZITTERNDEN LANGSCHATTEN 54:33

PERSONNEL: Udo schindler,ss, cnt, b cl, contra b cl; katherina weber p Krailling, Germany, July 27, 2012

I wish my German was better, but I got the title: Play time: Breath or breathing time: on the horizon or beyond comprehension. So we have music that is playful, which needs breath, and which is beyond the normal styles of music most listeners would expect. And that is exactly what we get. Another great duet with two people listening to each other and working off of each other. And in this case, Schindler’s multi instruments add a whole range of textures to the duo, making each piece distinct. Weber plays in a variety of ways, from roaming the keyboard to single note lines, and Schindler similarly uses a variety of styles from single note lines, to clusters, to getting great vocal like sounds from his instruments, especially the cornet and the lower clarinets. At a couple of points I actually thought I heard a real voice. In one sense, like so many freely improvised sessions, one tune leads into the next and I like to listen to these recordings as one long improvisation with a variety of sections. This is especially the case with CDs since the time between tracks is so short., and also since there are changes of music within each piece. And, as usual, the actual track names don’t mean too much, though “Schwarzdonder” is a blackthorn berry, and the sounds Schindler makes on his cornet can be heard as sucking on berries, while Weber plays slow bass chords, and plays on the strings and hits the piano. Then Schindler switches to bass clarinet but continues the growling. So maybe the berries weren’t very good. But the music is very good indeed!

Bernie Koenig – Cadence/ Canada

 

 

Udo Schindlers Duos

Udo Schindler lebt und arbeitet im Münchner Umland. Am Tag als Architekt, des Nachts als Musiker? Nein, ganz so klar lassen sich seine beiden Tätigkeiten sicher nicht voneinander trennen. Das eine bereichert (fast zwangsläufig) das andere. Und umgekehrt. Arthur Schopenhauer wird in den abgedruckten Liner Notes der CD „Sounding Dialectis“ mit den Worten zitiert: „Architektur ist gefrorene Musik“. Zugleich ist ebene Schindler auch eine Art Klangarchitekt, der im doppelten Sinn Klangräume schafft und diese musikalisch zusammenbringt. Musik aus dem Augenblick – für die Ewigkeit. Ein Baumeister der Töne sozusagen, wobei er sich als Saxophonist, Klarinettist, Kornettbläser und vor allem als Duopartner präsentiert.

Duoarbeit bedeutet für Schindler die spontane künstlerische Kommunikation im kleinsten gruppendynamischen Sektor. Das Unvorhergesehene ist bei ihm in der Regel, das Klavier jenes Instrument, das in der Gunst der Auseinandersetzung weit vorne steht. Auf den vorliegenden Alben arbeitet er mit der Schweizerin Katharina Weber (Spielzeit.Atemzeit.Horizontzeit“ Unit UTR 4484) sowie den beiden aus Österreich stammenden Pianistinnen Elisabeth Harnik („Empty Pingeonhole“ Creative Sources CS 247 CD) und Manon-Liu Winter („Form & Material“ Creative Sources CD 254 CD) zusammen. Hier ist es zu aller erst einmal der Unterschied der erzeugten Klänge, der gefangen nimmt. Die geblasene, Luft zirkulierende Linie auf der einen Seite und der geschlagene, eher Takt gebende Ton auf der anderen. Das Reagieren auf ein individualisiertes klangliches Geschehen jenseits einer Partitur birgt vor allem eines: Ein Gefühl für und ein Zulassen von Freiheit. Martin Pfleiderer nannte die freie Improvisation einmal „spontanes Handeln unter riskanten Umständen“. Ob nun im vorliegenden Fall der Spiel- und zugleich Aufnahmeort „riskant“ ist, bleibt zu bezweifeln. Sämtliche Aufnahmen sind „live“ in Schindlers Haus in Krailling bei München entstanden.

Insofern ein Heimspiel des Holzbläsers. Mit riskant sind dann doch eher die Persönlichkeiten der „Mitspieler“ gemeint, die sich vorsichtig abtasten, sich klanglich hinterfragen, vielleicht auch für eine kurze Zeit übereinstimmende Wege gehen. Obwohl das letztendlich nicht das Ziel ihres Tuns ist.

Vielleicht eher das Ausblenden jeglicher rationaler Kontrollinstanzen.

Jazzpodium 4/2016 (Jörg Konrad)

 

 

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September 2017 sch