Cover Rhizome

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Sharp-Schindler-Blonk Files

Udo Schindler

RHIZOME

Creative Sources  cs 571

Schindler-Schneider-Pretzel

Udo Schindler – bass clarinet, soprano saxophone, euphonium

Georges-Emmanuel Schneider – violins, live electronics

Gunter Pretzel – viola

Reviews

Live recordings of the performance on March 1st, 2018 at the Galerie arToxin in Munich, presenting compositions from Udo Schindler performing on bass clarinet, soprano saxophone & euphonium, Gunter Pretzel on viola, and Georges-Emmanuel Schneider on violins & live electronics, three artists of diverse background crossing boundaries to create something unique and exciting.

Live-Mitschnitte der Aufführung am 1. März 2018 in der Galerie arToxin in München mit Kompositionen von Udo Schindler an Bassklarinette, Sopransaxophon und Euphonium, Gunter Pretzel an der Bratsche und Georges-Emmanuel Schneider an den Violinen und Live-Elektronik unterschiedlichem Hintergrund, der Grenzen überschreitet, um etwas Einzigartiges und Aufregendes zu schaffen.

Squidco NYC

Udo Schindler/ Georges-Emanuel Schneider/ Gunter Pretzel  Rhizome (Creative Sources, CD 2018)

Krok na południowy wschód i meldujemy się w Monachium, by dwukrotnie pochylić się nad najnowszymi dokonaniami niemieckiego klarnecisty i saksofonisty Udo Schindlera, który zdaje się być już stałym uczestnikiem naszych okresowych zbiorówek. Zaczynamy od dalece frapującego tria Rhizome, który udanie łączy świat swobodnej improwizacji i współczesnej kameralistyki, także tej głęboko osadzonej w filharmonicznych gmaszyskach. A zatem Gunter Pretzel na altówce, Georges-Emmanuel Schneider na skrzypcach (plus live electronics) oraz Udo Schindler na klarnecie basowym, saksofonie sopranowym i euphonium (zwanym także tubą tenorową). Spotkanie koncertowe miało miejsce w monachijskiej At Gallery ar Toxin pierwszego dnia marca roku ubiegłego. Muzycy improwizowali, w oparciu o pewne ustalenia przedprodukcyjne. Pod dłuższymi improwizacjami podpisała się cała trójka muzyków, pod krótszymi – Schneider (druga) oraz Schindler (czwarta). Całość trwała godzinę zegarową i kilkadziesiąt sekund.

Dłuższe, tytułowe improwizacje (First & Second Rhizome) bazują na strunowych ekspozycjach, które w wielu momentach uroczo topią się w sonorystyce, szczególnie jeśli chodzi o altówkę. Skrzypce zdają się mieć podobne zadania, ale ponieważ muzyk operuje także w zakresie live electronics, czasami efekty jego działań bliższe są elektroakustyce, zawierają także akcenty perkusjonalne. Funkcjonujący na środku sceny Schindler udanie łączy flankowe ekspozycje strunowców, na ogół operuje na saksofonie sopranowym, tworząc rodzaj dramaturgicznego kręgosłupa improwizacji. Dobywa z tuby dęciaka sploty intrygujących dźwięków, brzmi ciekawie i niebanalnie. Na flankach zaś dzieją się prawdziwe cuda. Altówka potrafi zmysłowo pohałasować, skrzypce brnąć w plamy godne jazzowego wręcz fussion. Choć osadzone we współczesnej kameralistyce, raz za razem ostrzą sobie narrację bystrymi zadziorami. Podobnie kontrapunktujący bywa klarnet basowy, który włącza się do gry sporadycznie, ale skutecznie wtedy porządkuje narrację i wprowadza elementy tłumienia gotujących się emocji. W następnej rozbudowanej improwizacji (trzeciej na płycie), muzycy zdają się być jeszcze bardziej skrupulatni, a ich ekspozycje definitywnie filigranowe. Drony, małe dźwięki godne mistycznego posmaku cichej filharmonii. Szumy dęciaka, śpiew strunowców, kind of acid chamber! Mocne zmiany daje w tej części także klarnet basowy.

Nieco odmiennie kształtują się dwie pozostałe, krótkie improwizacje autorskie. Odcinek Schneidera, co nie dziwi, stanowi pasaż elektroakustycznych incydentów, który zdobią suche, sonorystyczne ekspozycje altówki, z dęciakiem, który zdecydowanie pilnuje dalekiego tła. Finałowa cześć koncertu grana jest przez Schindlera na euphonium. Groźna meta tuba kreśli zwinne pętle, stanowiąc przy okazji doskonałe intro dla płyty, którą omówimy poniżej.

 

Ein Schritt in südöstlicher Richtung und wir berichten in München, dass wir uns über die neuesten Entwicklungen des deutschen Klarinettisten und Saxophonisten Udo Schindler, der regelmäßig an unseren regelmäßigen Beprechungskorb liegt, beugen. Wir beginnen mit einem faszinierenden Trio Rhizome, das erfolgreich die Welt der freien Improvisation und der zeitgenössischen Kammermusik kombiniert, auch tief in philharmonischen Stoffen eingebettet. Gunter Pretzel an der Bratsche, Georges-Emmanuel Schneider an der Violine (plus Live-Elektronik) und Udo Schindler an der Bassklarinette, Sopransopran und Euphonium (auch Tenorrohr genannt). Das Konzerttreffen fand am 1.März 2018 in der Münchner Galerie  atToxin statt. Die Musiker improvisierten auf der Grundlage einiger Pre-Production-Arrangements. Neben den langen Improvisationen meldeten sich zwei Musiker mit Soli – Schneider (2.Track) und Schindler (4.Trck). Das Ganze dauerte eine Stunde und mehrere Dutzend Sekunden.

Längere, titulare Improvisationen (First & Second Rhizome) basieren auf Saitenaufnahmen, die in vielen Momenten in der Sonoristik reizvoll ertrinken, besonders wenn es um die Viola geht. Die Geige scheint ähnliche Aufgaben zu haben, aber da der Musiker auch auf dem Gebiet der Live-Elektronik tätig ist, sind die Auswirkungen seiner Handlungen manchmal eher der Elektroakustik, einschließlich Schlagzeugakzenten , ähnlich. Schindler in der Mitte der Bühne kombiniert erfolgreich flankierte Streicherklangkonstrukte, in der Regel mit einem Sopransaxophon, was zu einer Art dramaturgischem Improvisationsrückhalt führt. Er präsentiert verflochtene Sounds aus der Klangtrichter, es klingt interessant und originell. An den Flanken passieren jedoch echte Wunder. Die Viola ist in der Lage ein sinnliches Geräusch zu machen, die Violine zwinkert zu jazzigen Spots, die einen Jazz-Ritterschlag verdienen. Obwohl in die zeitgenössische Kammermusik eingebettet schärft sie die Erzählung immer wieder mit scharfen Narben. Ähnlich kontrapunktisch ist manchmal die Bassklarinette, die das Spiel sporadisch einklinkt, dann aber effektiv die Erzählung organisiert und Elemente zur Unterdrückung der kochenden Emotionen einführt. In der nächsten umfangreichen Improvisation (der dritten auf dem Album) scheinen die Musiker noch gewissenhafter zu sein und ihre Ausagen sind definitiv filigran. Drons, kleine Klänge, die einen mystischen Nachgeschmack einer ruhigen Philharmonie verdienen. Tinnitusgeräusche, scharfer ätzender Gesang, eine Art Säurekammer! Starke Änderungen in diesem Teil gestaltet auch die Bassklarinette.

Die anderen beiden kurzen Solo-Improvisationen unterscheiden sich geringfügig. Die Schneider-Episode, die nicht überraschend ist, ist eine Passage elektroakustischer Einfälle, die die trockenen, sonoristischen Viola-Expositionen schmücken, mit zisilierten Sterichersounds, die den fernen Elektronik-Hintergrund umspielen und respektieren. Den letzten Teil des Konzerts spielt Schindler auf dem Euphonium. Die bedrohliche Metaklangtuba zeichnet sich durch agile Loops und Spielfreude aus und bietet das perfekte Intro für das Album, das wir weiter unten besprechen werden (PNEUMA_EXTREME-Confront Rec.)

Spontaneousmusictribune.pl

 

Der GEORGES-EMMANUEL SCHNEIDER, den UDO SCHINDLER am 01.03.2018 in der Münchner Galerie arToxin zusammen mit GUNTER PRETZEL an der Viola als Spielgefährten willkommen hieß, erweist sich als versierter Geiger in und um Ulm herum. Geboren in Zürich, und klassisch gewieft von Bartok über Birtwistle, Furrer, Globokar und Haas bis Pärt oder Scelsi, ist er 2015 mit Schindler beim 54. „Salon für Klang+Kunst“ zusammengetroffen. Seither hat er zur „Posterbox-of-Antikunst“-Exhibition von TOMAK die ‚Freeman Etudes‘ von Cage gekratzt und wurde für die Performanz von Jürgen Grözingers Ballettmusik zu Roberto Scafatis „Acqua“ am Theater Ulm gefeiert. Wer wollte mit der Wimper zucken, wenn er Lieder der Sopranistin Esther Kretzinger nicht 100 % klassisch beschallt oder wenn er einem den Schlaf raubt mit „Assassinous Act“, dem Soundtrack zu einem fiktiven Krimi von [Wolfgang Röttger alias] Morgen Wurde. Pretzel seinerseits, schon 2009 Schindlers Gast beim 3. „Salon für Klang+Kunst“ (und 2017 wieder beim 78.), ist Solobratscher der Münchner Philharmoniker, hat aber mit Klaus Treuheit an Tasten & Orgel auch freihändigere Erfahrungen, wie man hören kann bei „Molden Blue“, „Stunning by Degree“, „Silencio Cristalle“ & „Cielo Catanese“ (alle auf Treuheits Label KTMP). 2010 & 2012 kam es zu weiteren Begegnungen mit Schindler und auch mit Treuheit als pst!. Nicht nur Ivo Perelman, auch Schindler hat ein Faible für Strings (Gunda Gottschalk, Harald Kimmig…). Denn Streicher taugen besonders gut zu seiner Feineinstellung, um an die x-tausend cerebralen Plateaus zu rühren. Rhizome (Creative Sources, cs 571) deutet als der Mitschnitt vom 01.03. mit den Stichwörtern Rhizom (Wurzelgeflecht), Analepsis (Rückblende) und Pneuma (Atem, Geist) auf eine deleuzianische, erzähltechnisch-cineastische und spirituell angehauchte Schwingungsebene. Auf der dann eine Orgie an Gegensätzen stattfindet. Ein Schwelgen in kakophilen Zärtlichkeiten, bei denen Schneider Max/MSP-Electronics ins Spiel bringt, für die er sich am IRCAM in Paris fit gemacht hat. 

Für polymorphe Unisexintimitäten mit extented techniques. Musik ohne Fischbeinkorsett, befreit von den Zwängen und Routinen von Melodie und Rhythmus. So dass sich diskant schillernd andere Faszinosa offenbaren. Solche mit Krallen, mit Reptilienschuppen, doch ohne den Fin-de-Siècle-Schwulst von Knopff, Stuck oder Strauss, der den Schrumpfbürger so anmacht wie sein verruchtes Kreuzchen bei der AfD. Im arToxin ist krätzige und glissandierende Informalität Trumpf, schrille Schmeißfliegenfarben, verwegen gekratzte und gemaunzte Dissonanz. Drillbohrend oder gedämpft gurrend, flötend, mit Lippenwahwah und ganz dem Molekularen ergeben, aber schon auch teufelsgeigerisch, doch gleich wieder hautnah bei den kleinsten Klängen. Bis hin zu Schindlers euphonem Dachhasenständchen, schräger, aber ebenso gekonnt wie eine Zugabe von Michel Godard.

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Bad Alchemy BA101_Rigobert Dittmann

 

 

Schindler/Schneider/Pretzel 

Rhizome
Creative Sources CS 571 CD 

Currents of improvisation evolve so quickly that what seemed unusual a few short years ago is now commonplace. Take this accomplished live set from Munich, featuring Krailling-based multi-instrumentalist and free improviser Udo Schindler and two players, mostly known for their expertise in New Music. The result is neither aleatoric nor atonal but a worldly mixture of the two. A member of the Munich Philharmonic and other ensembles, violist Gunter Pretzel is one-half of the string section here with Zürich-born violonist Georges-Emmanuel Schneider, who has worked with everyone from Harrison Birtwistle to Rohan de. Schneider, and also uses Max/MSP processing. Schindler who has played with numerous such as Sebi Tramontana, concentrates on bass clarinet and soprano saxophone here, although the CD’s brief final track featuring fluttering euphonium lows. 

Broadly the key components of the program are two extended version of the title tune, which each clock in at more than 20 minutes. Faint electronic judders underscore the initial “first rhizome” with narrow reed stops and echoing tones matched by sul tasto and col legno scratches from one string player while the other creates a fluid continuum. String harmonies are emphasized later on as the reed output turns to doits, yelps and snarls. Reversing the program, a later sequence finds Schindler’s tone smoother and sweeter as the contrapuntal viola and violin dissect tones into jagged squeaks and sawing. Finally the track is resolved as sul ponticello scrubs shudder alongside the reedist’s aching spectrofluctuation. Moving to bass clarinet tones on the even lengthier “second rhizome”, Schindler dissects its warm tone with brief chirps, stops and unaccented air as Schneider’s and Pretzel’s strand strategy turns from affinity to sharp, wood-rending-like splits. As reed vibratos and electronic wave forms provide a connective ostinato, the clarinetist executes a finale with nasal trills, while the strings move from gentle to bellicose textures and back again. 

Organic as a realized creation, so that in 2020 defining the exact genre in which Rhizome fits is irrelevant. 

 

Strömungen der Improvisation entwickeln sich so schnell, dass das, was vor wenigen Jahren ungewöhnlich erschien, heute alltäglich ist. Nehmen Sie dieses gelungene Live-Set aus München mit dem in Krailling ansässigen Multiinstrumentalisten und freien Improvisator Udo Schindler und zwei Spielern, die vor allem für ihre Expertise im Bereich Neue Musik bekannt sind. Das Ergebnis ist weder aleatorisch noch atonal, sondern eine weltliche Mischung aus beiden. Der Bratschist Gunter Pretzel, Mitglied der Münchner Philharmoniker und anderer Ensembles, ist hier die Hälfte der Streichergruppe mit dem in Zürich geborenen Geiger Georges-Emmanuel Schneider, der mit allen von Harrison Birtwistle bis Rohan de zusammengearbeitet hat. Schneider verwendet auch Max / MSP-Verarbeitung. Schindler, der mit zahlreichen wie Sebi Tramontana gespielt hat, konzentriert sich hier auf Bassklarinette und Sopransaxophon, obwohl der kurze letzte Titel der CD mit flatternden Euphoniumtieftönen versehen ist.
Im Großen und Ganzen sind die Hauptkomponenten des Programms zwei erweiterte Versionen der Titelmelodie, die jeweils mehr als 20 Minuten dauern. Schwache elektronische Ruckler unterstreichen das anfängliche „erste Rhizom“ mit schmalen Reedstopps und Echo-Tönen, die von Kratzern von Sul Tasto und Col Legno eines Streichers kombiniert werden, während der andere ein flüssiges Kontinuum schafft. Saitenharmonien werden später hervorgehoben, wenn sich die Reed-Ausgabe in Doits, Yelps und Knurren verwandelt. Wenn Sie das Programm umkehren, wird Schindlers Ton in einer späteren Sequenz weicher und süßer, da die kontrapunktische Bratsche und die Geige die Töne in gezackte Quietschen und Sägen zerlegen. Schließlich wird die Spur aufgelöst, während Sul Ponticello-Peelings neben der schmerzhaften Spektrofluktuation des Reedisten schaudern. Schindler wechselt zu Bassklarinettentönen auf dem noch längeren „zweiten Rhizom“ und zerlegt seinen warmen Ton mit kurzen Zwitschern, Stopps und nicht akzentuierter Luft, während sich Schneiders und Pretzels Strangstrategie von Affinität zu scharfen, holzzerreißenden Spalten ändert. Da Reedvibratos und elektronische Wellenformen ein verbindendes Ostinato bilden, führt der Klarinettist ein Finale mit Nasentrillern durch, während sich die Saiten von sanften zu kriegerischen Texturen und wieder zurück bewegen.
Organisch als realisierte Kreation, so dass es im Jahr 2020 irrelevant ist, das genaue Genre zu definieren, in das Rhizome passt.

Track Listing: 1. first rhizome 2. analepsis grey 3. second rhizome 4. neuma_arToxin.euphonium 

Personnel: Udo Schindler (bass clarinet, soprano saxophone and euphonium); Georges-Emmanuel Schneider (violins, live electronics) and Gunter Pretzel (viola) 

 

—Ken Waxman _jazzword / 21.09.2020