arch-musik PNEUMA

Foto: Wilfried Petzi

PNEUMA ist eine Soloprojektreihe von Udo Schindler, eingespielt mit diversen Instrumenten, die als limitierte Edition von 100 Stück erscheinen. Die Tondokumente sind Realtime-Aufnahmen ohne Cuts und Klangmanipulationen. Erlebbar sollen die Authentizität und die Direktheit sein, die Klangmodulation mit Reibungen und Dissonanzen transportiert werden. Keine leichte Kost. Das übliche Klangrepertoire der Neuen Musik und des Jazz wird zu individuellen Klangräumen hin erweitert.

Pneuma (pneuma): Hauch, ätherisches Feuer, Lebensgeist. Daß der Organismus Luft aufnimmt, wird von HIPPOKRATES an zu physiologischen Theorien verwertet. Nach ARISTOTELES ist im Blute eine luftartige Substanz (anathymiasis), in den Arterien ein pneuma als Träger von Empfindungs- und Bewegungsimpulsen. Das Pneuma im Organismus wird durch die Adern verbreitet und bewirkt den Pulsschlag und das Atmen. Pneuma nennen die Stoiker die Gott-Natur ihrer kraftstofflichen, alles durchdringenden Wesenheit wegen. Das Pneuma ist ein Sich-selbst-bewegendes. Es ist  ohne feste Gestalt, das sich in alles, was es will, verwandeln kann…(Eisler Wörterbuch)

Bisher erschienen:

arch-musik 002 - PNEUMA_foe156 / Soloimprovisationen für Sopransaxophon + Baßklarinette
arch-musik 003 - PNEUMA_visuals / works for visuals of rettnoise
arch-musik 004 - PNEUMA_extreme / works for contrabassclarinet (in vorbreitung)

erhältlich über www.arch-musik.de, per mailorder über www.optimal-records.com, www.nomansland-records.de
und in München bei Beck am Rathauseck/Jazz im Beck, Optimal-Records


 

 

PNEUMA-foe156
arch-musik 002

Foto: Maciek Czapski

Das Solokonzert für Sopransaxophon + Bassklarinette am 01.07.2012 war integraler Bestandteil der ‚AusstellungOhneTitel’ von Maciek Czapski in der Galerie STATION foe156 im München.
Der Kurator Pavel Zelechovky stellte den Kontakt zu Czapski her, der, nach Einhören in mein Soloprojekt PNEUMA für Sopransaxophon (als Download erhältlich) spontan eine Wandarbeit mit dem Titel PNEUMA kreierte.
Es war eine besondere Ehre + ein außergewöhnliches Vergnügen vor der Wandarbeit + in den Ausstellungsräumen zu spielen, und dann noch vor vielen neugierigen offenen Ohren. Das Dokument als Realtime-Aufnahme liegt ohne redigierende Eingriffe als authentische CD der PNEUMA-Reihe vor.

Das Sopransaxofon ist das zickigste + wohl auch der widerspenstigste Glied der Saxofonfamilie, am schwersten spieltechnisch + intonierend zu kontrollierende. Darin liegt der Reiz + die Herausforderung des Instruments eine spezielle Klangpoesie zu entwickeln. Ergebnisse der Klangforschung werden in PNEUMA andeutungsweise dokumentiert. Der Schwerpunkt der Studien sind Mikrotonalität, Mehrklänge, Verfremdungen die den Klang bis ins geräuschhafte, ins nicht mehr instrumental zuordenbare Verfremden, eine Vitalisierung des Klangs transformieren. Die Klangerzeugung ist das Ergebnis einer hochkonzentrierten Fokussierung. Gestaltet wird eine klangfarbliche Mischung + Textur ohne artfremde Zutaten. Der Weg dahin ist spannend, unkalkulierbar + voller Überraschungen.

Das Projekt wurde durch die performative Intervention A.O.T.PNEUMA von Ruth Geiersberger + Anne Wodtcke komplettiert.

Vielen Dank für die Unterstützung:
Pavel Zelechovsky, Maciek Czapski, Lutz Weinmann, Wolfgang Obrecht

www.arch-musik.de
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PNEUMA_foe156
kompositionen/improvisationen
für sopransaxophon & bassklarinette
udo schindler
foe#1 (für sopransaxophon) 04:59
foe#2 (für sopransaxophon) 10:14
foe#3 (für sopransaxophon) 04:13
foe#4 (für sopransaxophon) 03:07
foe#5 (für bassklarinette) 06:06
foe#6 (für bassklarinette) 05:21
foe#7 (für bassklarinette) 03:05
foe#8 (für sopransaxophon) 02:38
live recorded at station FOE156, oberföhringer str. 156, d-81925 münchen
at the AUSSTELLUNGOHNETITEL of maciek czapski, curated by pavel zelechovsky
friday 01.07.2011
live-rec.: udo schindler, mix & master: wolfgang obrecht/richart-studio
gestaltung: www.naturtalente.de
all music by schindler (GEMA)



 

PNEUMA-visuals - works for visuals
arch-musik 003

Die CD dokumentiert die intensive Zusammenarbeit mit Harald Rettich aka rettnoise. Die diffizile Kooperation von Bild + Klang erfordert einen hohen Grad von Konzentration + Kommunikation.
Einerseits soll die Autonomie der Medien erhalten bleiben und verstärkt werden, anderseits sollen sich die Medien befruchten + in ihren Wirkung verstärken, neue sinnliche Wahrnehmungen befördert werden.
Die Visuals-Bildsprache ist als Ausdrucksmittel bereits komplex.
Soll sie konkret oder abstrakt, monochrom oder farbig sein, statisch oder bewegt?
Der Dialog der Instrumente mit den Visuals erfolgt improvisierend, dem Moment des Entstehens folgend als Instant-Composing. Der Instrumentalist kann mittels seiner Artikulation durch Dynamik, Tonhöhe, Rhythmus die Bildgestaltung + -bewegung steuern. Er ist Visualkreator mit Support von rettnoise, dem die Progammierung obliegt. Auch entstehen Tracks durch dialogische Improvisationen der Protagonisten. Die Tracks sind für sich aussagestark wie Short Stories. Im Zusammenwirken entsteht ein komplexes Klangbild als Suite, ähnlich den literarischen Arbeiten von W.G.Sebald mit Seitenpfanden, vermeindlich Zufälligem+ Abschweifungen.
Die Instrumentenspielweise entfernt sich teilweise von traditionellen Mustern, bezieht die Geräuschhaftigkeit, eine sprachähnliche Artikulation und anderes ein, um die Bild-Klang-Essenz zu verdichten.
Eingesetzt wird ein selektiertes physisch orientiertes Instrumentarium mit Sopransaxophon, Bassklarinette + Kornett zur Ermöglichung eines weiten Klangfeldes. Die Aufnahmen sind Realtime-Recordings ohne Overdubs, Cuts + anderen Manipulationen, um die Direktheit der interaktiven Aktionen zu vermitteln.
Schliessen sie die Augen. Entstehen Klangbilder im Kopf?

Vielen Dank für die Unterstützung:
Harald Rettich (www.rettnoise.de), Lutz Weinmann (www.naturtalente.de), Wolfgang Obrecht/studio richart + den Salongästen, ohne deren Motivation + mentale Unterstützung vieles nicht entstanden wäre.

www.arch-musik.de
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PNEUMA_visuals
works for visuals of harald rettich aka rettnoise
udo schindler: sopranosaxophone, bassclarinet, cornet
1. visuals #1 05:42
2. visuals #2 04:03
3. visuals #3 03:37
4. visuals #4 04:18
5. visuals #5 03:50
6. visuals #6 03:28
7. visuals #7 00:31
8. visuals #8 07:28
9. visuals #9 02:04
10. visuals #10 03:08
11. visuals #11 03:34
12. visuals #12 01:59
13. visuals #13 04:38
14. visuals #14 02:14
15. visuals #15 00:55
16. visuals #16 02:33
17. visuals #17 01:21
18. visuals #18 02:41
live-rec.: harald rettich - studio arch-musik 17.01., 14.02., 25.02.2011& wim zürich 14.06.2011
mix & master: wolfgang obrecht/richart-studio
gestaltung: www.naturtalente.de
all music by schindler (GEMA)




UDO SCHINDLER
pneuma_foe156
UDO SCHINDLER
pneuma_visuals
beide: arch-musik/arch.musik.de
Udo Schindler (ss, bcl, cornet)

„Pneuma“ betitelt der Saxofonist & Bassklarinettist Udo Schindler seine Solo-CD-Reihe, die er auf drei Editionen anlegt. Die ersten beiden Dokumente sind, limitiert auf jeweils 100 Stück, soeben erschienen. Die Bedeutung des Titels, der nach Bedarf mit Begriffen wie Luft, Hauch oder Geist zu übersetzen wäre, nimmt eine zentrale Rolle in Schindlers Schaffen ein. Man kann „Pneuma“ auch ins Architektonische übertragen, bedenkt man Schindlers offene Hauskonzerte in seinem „Salon für Klang & Kunst“, gelegen in Krailling nahe München. CD #1 trägt den kryptischen Untertitel „foe156“, dessen Auflösung die gleichnamige Münchener Galerie ergibt, in der Schindler die Musik zur „Ausstellungohnetitel“ von Maciek Czapski beisteuerte. CD #2, „visuals“, bezieht sich auf Musik zu ebensolchen, die Harald Rettich aka rettnoise projizierte. Auf der CD hat das Dokument freilich ohne visuelle Komponente zu funktionieren. Wie sich herausstellt, ist Udo Schindlers Blasmusik sehr wohl mit der Fähigkeit zur Bilderproduktion ausstaffiert. Alles wurde in Realtime aufgenommen, ohne Overdubs oder ähnlichen Schnickschnack, alles klingt unverwechselbar, betörend und sehr intensiv. (felix)

freiStil - Magazin für Musik und Umgebung #45 / 10.2012
http://freistil.klingt.org
 
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Der Klarinettist und Saxophonist UDO SCHINDLER, der als Architekt ein gutes Beispiel für das Prinzip 'Doppelleben' abgibt (im Unterschied zu 'Boheme'), war beileibe nicht untätig, seit zuletzt die Rede von ihm war - vor genau 4 Jahren (BA 61) anlässlich von Rot (Creative Sources) im Trio mit Margarita Holzbauer & Harald Lillmeyer und von Kleine Klassiker (arch-musik) im Duo mit Stephan Richter, und vor zwei Jahren (BA 68), als mir der Hut hoch ging anlässlich seines Duos mit Hubert Bergmann (mudoks).

PNEUMA-foe156 (arch-musik 002) entstand 2011 in der Münchner Galerie STATION FOE 156 anlässlich der 'AusstellungOhneTitel' von Maciek Czapski, der dazu eigens eine Wandarbeit entwarf, die er so betitelte wie Schindler sein Solo-Projekt - PNEUMA. Mit diesem griechischen Wort, durch das Czapski die Laokoongruppe durchscheinen ließ, hatten die Stoiker, Paulus und die Gnostiker ihre Vorstellungen von einem kosmischen, heiligen und göttlichen Geist benannt (im Gegensatz zu Gramma und Soma, Buchstabe und Materie). Ein Bläser ist immer ein Pneumatiker, und in Schindlers hier unredigiert zu hörenden Improvisationen für Sopranosaxophon und Bassklarinette atmet ganz bewusst ein kraftstofflicher, geistvoller Hauch. Nach außen hin, insbesondere beim Soprano, scheint da eine bohrende, schleifende, reinigende Kraft am Werk. Und in sich eine Konsequenz, mit dem Stofflichen auch noch den Klang selbst zu zersplittern, zu zerreiben in seine atomaren Bestandteile. Wenn die Bassklarinette knurrend, pfeifend und didgeridooend einsetzt, auch ganz körperlich als animalisches Schnauben, Rüsseln und Brusten, möchte ich vermuten, dass Schindler Vorbehalte hat gegen einen reinen Idealismus ohne Arsch in der Hose. Als ob er sich selbst eine Luftschlossarchitektur nur mit Fundamenten vorstellen könnte. Und Geist nur mit Wurzeln, mit griechischen Wurzeln - um im Bild zu bleiben - in Laokoon, Marsyas, Pan.

Auf PNEUMA-visuals (arch-musik 003) sind diverse Performances zu einem Ganzen vereint, bei denen Schindler per Soprano, Bassklarinette und Kornett mit visueller Computerkunst von Harald Rettich (rettnoise) interagierte. Die reine Tonspur reduziert Rettichs Beitrag zur bloßen Produktionsbedingung. Bestaunt werden kann ein klangliches Narrativ, für das eine Analogie zur sich verzweigenden Erzählweise W. G. Sebalds vorgeschlagen wird. Wie unterscheidet sich ein Dialog mit einem Stummen von einem Monolog? Heißt es nicht: ein halber Hund kann nicht pinkeln? Der hier kann's, kontemplativ, explorativ Imaginäres bebrütend, es entwerfend, es mit schrillen Spaltklängen auch entzündend, es dunkel betropfend. 'Es'. Auch wenn Synästhesie um drei Ecken herum etwas esoterisch erscheinen mag, wenn Schindlers Klangfarbformen da so dreidimensional morphen, sonor changieren, flackernd züngeln, diskant pfeifen, wachsen Augen, wo bisher keine waren.

Rigobert Dittmannn, Bad Alchemy #76